Ultralight Backpacking wird häufig technisch erzählt: Baseweight, Grammzahlen, Materialien, Gearlists. Wer jedoch öfter draußen ist, merkt schnell: UL ist keine rein technische Strategie, sondern eine soziale Praxis, in der Technik, Körper und Umwelt untrennbar miteinander verschränkt sind. Sie trägt emanzipatorisches Potenzial, bringt aber auch neue Normen und Einschränkungen hervor.
Ausrüstung ist kein neutrales Werkzeug. Sie strukturiert Wahrnehmung, Bewegung und Entscheidungsspielräume. Ein leichter Rucksack verändert, wie man geht, wie lange man geht, wohin man geht und auch, was man sich zutraut.
Was wir tragen - und mehr noch, was wir bewusst nicht tragen - erzählt etwas über:
unsere Haltung zu Komfort und Risiko
unser Verhältnis zu Natur und Körper
unsere Distinktionsbedürfnisse
Der UL-Rucksack ist nicht nur ein Behältnis. Er ist ein Akteur des Unterwegsseins.
Wie eine ethnografische Skizze zeigt „there is always someone more UL than you” den Hiker „Courier” auf dem Pacific Crest Trail mit einer Ausrüstung, die so radikal reduziert ist, dass sie beinahe karikaturhaft wirkt. Keine High-End-Ästhetik, keine Instagram-Perfektion, sondern ein spielerischer Bruch mit Erwartungen.
Egal wie leicht du gehst, irgendwo ist immer jemand, der:
Ultralight lebt durch Vergleich, und dieser Vergleich ist immer technisch vermittelt:
Baseweight-Listen
Gear-Shakedowns
Foren, Videos, Subreddits
Technische Kennzahlen werden zu sozialen Kriterien. Gramm zu Argumenten. Materialien zu Statussymbolen.
Das ist nicht per se schlecht. Vergleich erzeugt Lernen, Kreativität, MYOG-Projekte, neue Ideen. Aber er erzeugt auch neue Maßstäbe, an denen man scheitern kann:
leichter = besser
weniger = richtiger
radikaler = echter
So wird aus der Idee der Freiheit manchmal ein stiller Leistungsdruck, und aus Minimalismus eine neue Moral. Dabei gerät schnell aus dem Blick, worum es eigentlich geht: um Erfahrung, nicht um Zahlen.
Für uns ist Ultralight kein Wettbewerb. Es ist ein Werkzeug im Geflecht aus Körper, Material und Umgebung. Ein Werkzeug, um:
Feral heißt nicht, möglichst wenig zu tragen. Feral heißt, das eigene Maß zu halten. Auch gegen die Stimmen, die sagen: weniger wäre „richtiger”.
Die stille Pointe
John Zahorians Video „there is always someone more UL than you” ist kein Aufruf zur Kapitulation, sondern ein Kommentar zu einem soziotechnischen Spiel. Es ist eine Einladung zur Gelassenheit und eine Erinnerung an die Ambivalenz des Weniger.
Du musst nicht der Leichteste sein. Du musst nicht der Technischste sein. Du musst nicht der Radikalste sein.
Aber du musst:
Ehrlich mit dir sein:
Was brauche ich wirklich?
Was trage ich aus Angst?
Was trage ich aus Gewohnheit?
Was trage ich, weil es mir gut tut?
Wie formt meine Ausrüstung mein Gehen?
Welche Möglichkeiten eröffnet sie mir?
Wo fängt sie an, mich zu regieren?
Vielleicht ist Ultralight am Ende kein Ziel, sondern nur eine fortlaufende Aushandlung zwischen Körper, Technik und Welt - unterwegs, Schritt für Schritt.
Bleiben wir in losem Kontakt Wenn Dir dieser Text gefallen hat, ist der Newsletter der ruhigste Weg, Neues von ferals zu lesen: unregelmäßige E-Mails mit neuen Texten, Hintergründen und Notizen aus dem Unterwegssein.
Ultralight Backpacking wird häufig technisch erzählt: Baseweight, Grammzahlen, Materialien, Gearlists. Wer jedoch öfter draußen ist, merkt schnell: UL ist keine rein technische Strategie, sondern eine soziale Praxis, in der Technik, Körper und Umwelt untrennbar miteinander verschränkt sind. Sie trägt emanzipatorisches Potenzial, bringt aber auch neue Normen und Einschränkungen hervor.
Ausrüstung ist kein neutrales Werkzeug. Sie strukturiert Wahrnehmung, Bewegung und Entscheidungsspielräume. Ein leichter Rucksack verändert, wie man geht, wie lange man geht, wohin man geht und auch, was man sich zutraut.
Was wir tragen - und mehr noch, was wir bewusst nicht tragen - erzählt etwas über:
Der UL-Rucksack ist nicht nur ein Behältnis. Er ist ein Akteur des Unterwegsseins.
Wie eine ethnografische Skizze zeigt „there is always someone more UL than you” den Hiker „Courier” auf dem Pacific Crest Trail mit einer Ausrüstung, die so radikal reduziert ist, dass sie beinahe karikaturhaft wirkt. Keine High-End-Ästhetik, keine Instagram-Perfektion, sondern ein spielerischer Bruch mit Erwartungen.
Egal wie leicht du gehst, irgendwo ist immer jemand, der:
Was als technische Optimierung beginnt, kann sich in eine soziale Steigerungslogik verwandeln.
Vergleich vs. feral
Ultralight lebt durch Vergleich, und dieser Vergleich ist immer technisch vermittelt:
Technische Kennzahlen werden zu sozialen Kriterien. Gramm zu Argumenten. Materialien zu Statussymbolen.
Das ist nicht per se schlecht. Vergleich erzeugt Lernen, Kreativität, MYOG-Projekte, neue Ideen. Aber er erzeugt auch neue Maßstäbe, an denen man scheitern kann:
So wird aus der Idee der Freiheit manchmal ein stiller Leistungsdruck, und aus Minimalismus eine neue Moral. Dabei gerät schnell aus dem Blick, worum es eigentlich geht: um Erfahrung, nicht um Zahlen.
Für uns ist Ultralight kein Wettbewerb. Es ist ein Werkzeug im Geflecht aus Körper, Material und Umgebung. Ein Werkzeug, um:
Feral heißt nicht, möglichst wenig zu tragen.
Feral heißt, das eigene Maß zu halten. Auch gegen die Stimmen, die sagen: weniger wäre „richtiger”.
Die stille Pointe
John Zahorians Video „there is always someone more UL than you” ist kein Aufruf zur Kapitulation, sondern ein Kommentar zu einem soziotechnischen Spiel. Es ist eine Einladung zur Gelassenheit und eine Erinnerung an die Ambivalenz des Weniger.
Du musst nicht der Leichteste sein.
Du musst nicht der Technischste sein.
Du musst nicht der Radikalste sein.
Aber du musst:
Vielleicht ist Ultralight am Ende kein Ziel, sondern nur eine fortlaufende Aushandlung zwischen Körper, Technik und Welt - unterwegs, Schritt für Schritt.
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