There is always someone more UL than you
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There is always someone more UL than you

Wie wenig ist wenig genug?

Ultralight Backpacking wird häufig technisch erzählt: Baseweight, Grammzahlen, Materialien, Gearlists. Wer jedoch öfter draußen ist, merkt schnell: UL ist keine rein technische Strategie, sondern eine soziale Praxis, in der Technik, Körper und Umwelt untrennbar miteinander verschränkt sind. Sie trägt emanzipatorisches Potenzial, bringt aber auch neue Normen und Einschränkungen hervor.

Ausrüstung ist kein neutrales Werkzeug. Sie strukturiert Wahrnehmung, Bewegung und Entscheidungsspielräume. Ein leichter Rucksack verändert, wie man geht, wie lange man geht, wohin man geht und auch, was man sich zutraut.

Was wir tragen - und mehr noch, was wir bewusst nicht tragen - erzählt etwas über:

  • unsere Haltung zu Komfort und Risiko
  • unser Verhältnis zu Natur und Körper
  • unsere Distinktionsbedürfnisse

Der UL-Rucksack ist nicht nur ein Behältnis. Er ist ein Akteur des Unterwegsseins.

Wie eine ethnografische Skizze zeigt „there is always someone more UL than you” den Hiker „Courier auf dem Pacific Crest Trail mit einer Ausrüstung, die so radikal reduziert ist, dass sie beinahe karikaturhaft wirkt. Keine High-End-Ästhetik, keine Instagram-Perfektion, sondern ein spielerischer Bruch mit Erwartungen.

Egal wie leicht du gehst, irgendwo ist immer jemand, der:

  • noch weniger trägt
  • noch günstiger unterwegs ist
  • noch „radikaler“ verzichtet

Was als technische Optimierung beginnt, kann sich in eine soziale Steigerungslogik verwandeln.

Vergleich vs. feral

Ultralight lebt durch Vergleich, und dieser Vergleich ist immer technisch vermittelt:

  • Baseweight-Listen
  • Gear-Shakedowns
  • Foren, Videos, Subreddits

Technische Kennzahlen werden zu sozialen Kriterien. Gramm zu Argumenten. Materialien zu Statussymbolen.

Das ist nicht per se schlecht. Vergleich erzeugt Lernen, Kreativität, MYOG-Projekte, neue Ideen. Aber er erzeugt auch neue Maßstäbe, an denen man scheitern kann:

  • leichter = besser
  • weniger = richtiger
  • radikaler = echter

So wird aus der Idee der Freiheit manchmal ein stiller Leistungsdruck, und aus Minimalismus eine neue Moral. Dabei gerät schnell aus dem Blick, worum es eigentlich geht: um Erfahrung, nicht um Zahlen.

Für uns ist Ultralight kein Wettbewerb. Es ist ein Werkzeug im Geflecht aus Körper, Material und Umgebung. Ein Werkzeug, um:

  • freier zu gehen
  • näher am eigenen Körper zu sein
  • sensibler auf die Welt zu reagieren
  • selbst zu bauen, statt zu kaufen
  • zu improvisieren, statt zu perfektionieren

Feral heißt nicht, möglichst wenig zu tragen.
Feral heißt, das eigene Maß zu halten. Auch gegen die Stimmen, die sagen: weniger wäre „richtiger.

Die stille Pointe

John Zahorians Video „there is always someone more UL than you ist kein Aufruf zur Kapitulation, sondern ein Kommentar zu einem soziotechnischen Spiel. Es ist eine Einladung zur Gelassenheit und eine Erinnerung an die Ambivalenz des Weniger.

Du musst nicht der Leichteste sein.
Du musst nicht der Technischste sein.
Du musst nicht der Radikalste sein.

Aber du musst:

  • Ehrlich mit dir sein:
  • Was brauche ich wirklich?
  • Was trage ich aus Angst?
  • Was trage ich aus Gewohnheit?
  • Was trage ich, weil es mir gut tut?
  • Wie formt meine Ausrüstung mein Gehen?
  • Welche Möglichkeiten eröffnet sie mir?
  • Wo fängt sie an, mich zu regieren?

Vielleicht ist Ultralight am Ende kein Ziel, sondern nur eine fortlaufende Aushandlung zwischen Körper, Technik und Welt - unterwegs, Schritt für Schritt.

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