Füße in FlipFlops, auf den Zehen Tattoo "Start Today"
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TrailMagic Zine

Wir haben Chriz gebeten, aufzuschreiben, warum er TrailMagic macht. Wir wollten wissen, was treibt jemanden, der vor vier Jahren noch keine Wanderschuhe hatte, dazu, ein Fanzine über Longdistance-Hiking zu machen?

Seine Antwort hat er uns und euch nun gegeben. Wir stellen sie hier unkommentiert rein, weil sie zeigt, was passiert, wenn Leidenschaft auf Papier trifft.


Wie bist du darauf gekommen, was motiviert dich, da Energie reinzustecken?

Ich bin recht unverhofft zum Wandern gekommen. Ist noch gar nicht lange her, vier Jahre. Urlaub in Portugal. Meine Partnerin sagte: „Chriz, besorg dir Wanderschuhe oder ich hol dir welche!“. Ich hatte überhaupt keinen Bock. „Wozu wandern? Da gibt’s Strand und wir haben nen Mietwagen.“ Aber Schuhe nicht selber kaufen, soweit ließ ich es dann lieber doch nicht kommen, haha.

Vor Ort dann Tagestouren. Staubige Wege über die Hügel im Hinterland der Algarve. Steinige Pfade an der Küste. Zuckersand in den Dünen. Ich hing am Haken! Wollte nix anderes mehr machen. Das Surfen viel zu anstrengend. Zwei Stunden im Wasser und ich konnte zwei Tage lang meine Kaffeetasse kaum mehr anheben. Es fiel mir nicht schwer anzuerkennen, dass ich selbst für eine veritable Midlifecrisis zu unfit war. Statt roter Baywatch-Shorts brauchte ich eher eine rote Rettungsboje untern Arm geklemmt und ein Beatmungsgerät. Also lieber altersangemessene Freizeitbeschäftigung, let's go hiking!

Dann wurde mir ein Buch empfohlen – Christine Thürmer „Laufen. Essen. Schlafen.“ – und über mir eröffnete sich ein neuer Himmel: longdistance & ultralight. Ich hab jede Zeile aufgesogen, wollte mehr lesen, am liebsten in Fanzines, d.i.y. und roh und emotional und rotzig. Gab aber keine hiking zines. Also wie immer in solchen Fällen: Punkrock und selber machen!

Dann kam eins zum anderen → Burnout → Auszeit → Wandern → NST → Community.

Schnell war klar, beides (hiking & fanzines) korrespondiert hervorragend miteinander. Beides ist gekennzeichnet von Machen!, von Step by step!, von Selbstermächtigung und Selbstwirksamkeit, von Zweifeln, Ängsten, aber dann eben letzten Ende von „diy or die“ und Lösungen finden.

Es war also total folgerichtig, da ein Zine drüber zu machen. Ein bisschen öffentliches Wandertagebuch, ein bisschen Liebeserklärung an das Format selbst. Fanzine oder kurz zine, abgeleitet vom englischen magazine, und so wird es auch ausgesprochen, also nicht „zein“.

Ich schreib ganz gern auf eine Art & Weise und über Themen, wie ich gern auch von anderen lesen und erfahren würde – nahbar, persönlich, fragend, naiv, begeistert. Was passiert in und mit jemandem, der sich einer Sache mit Leidenschaft widmet? Insbesondere, wenn es etwas ganz Neues für sie_ihn ist? Welche Meilensteine, kleinen und großen Siege über die Angst und die Zweifel werden errungen? Teilhaben daran und teilhaben lassen. Also frage ich andere Leute, was sie erleben und durchleben da draußen, in diesem „outdoors“. Ich sammle diese Geschichten und bring sie als Texte und Interviews im Heft.

Im Heft, heißt auf Papier. Das ist mein Ding. Ich bin analog, haha. An Fanzines liebe ich das Haptische, die Textur (okay, die ist bei meinen Heften meist unspektakulär) des Papiers, das Unperfekte durch ungleichmäßige Druckerschwärze auf den Seiten, die vor oder nach dem Tonerwechsel kopiert worden sind, das Zusammenlegen, das Heften mit dem Lang-Arm-Tacker, ganz generell das Langsame in der Entstehung. Beim Wandern spüre ich mich und meine Umgebung unmittelbar, kein Filter, kein Zeitraffer. Beim Fanzine-Machen ist das ganz ähnlich.

Inzwischen hab ich meinen Rhythmus gefunden und auch der Aufbau des Heftes gefällt mir grad sehr gut. Ich hab so viel Freude daran, mir die nächste(n) Ausgabe(n) vorzustellen und zu planen und dann die Leute einzuladen, von denen ich gern mehr erfahren, von denen ich gern was auf Papier lesen würde.

Früher stand in jedem Punkerheft vorn so ein Satz: „Dies ist kein Erzeugnis im Sinne des Pressegesetzes, dies ist ein Rundbrief an Freundinnen und Freunde.“. Und genau das ist es für mich wortwörtlich: ein Brief an Freund:innen, die, die schon Teil meines Lebens sind, und auch an solche, die ich noch nicht kenne, mit denen ich aber eine Leidenschaft teile, fürs Hiken und für selbstgemachte Heftchen.

Chriz „Stockmann“, Februar/März 2026


Wir mögen an TrailMagic, dass es nicht erklärt, wie man richtig wandert. Dass es keine Tipps gibt und keine Optimierung. Dass Chriz schreibt, wie er schreiben würde, wenn er selbst lesen wollte, was in jemandem vorgeht, der gerade anfängt. Oder so.

Das Zine erscheint unregelmäßig, auf Papier. Bezugsquellen und mehr Infos gibt's bei Chriz direkt oder über die üblichen Kanäle der Hiking-Community.

Kein Service. Kein Kauflink. Nur der Hinweis: Wenn ihr auch lieber auf Papier lest als auf Screens, wenn euch interessiert, was Menschen draußen erleben statt was sie empfehlen, dann ist TrailMagic eine wunderschönes und haptisches Erlebnis für das Draußen im Drinnen.

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Aktualisiert am
Townday

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